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Der geregelte Wahnsinn

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Regeln sind sinnvoll. Sie sind unverzichtbar. Sie bringen Ordnung ins Chaos, beugen der Anarchie vor. Gerade wir Deutschen haben mit der Abfolge dieser Begriffe sehr viel schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Erst eine totale Ordnung, dann Chaos und zum Schluss kam die groß Anarchie. Daraus haben wir so gut gelernt, dass es heute schon fast in die andere Richtung geht. 

Wir leben in einem wahren Paragraphenwahnsinn. In Deutschland ist alles geregelt. Und zwar nicht nur einmal sondern zweimal und dann ist noch geregelt wie die Regel ihre reguläre Anwendung zu finden hat. Kurzum: langsam aber sicher geht einem die Luft zum Atmen aus. Es soll hier nun nicht der Eindruck erweckt werden, der Autor sein ein Anarchist, verehre das Chaos und habe ein generelles Problem mit Autoritäten. Ganz im Gegenteil. Ich wurde schon früh an dieses einfache Gefüge von Autorität gewöhnt. Sei es in der Schule oder danach. Allerdings war eines immer gleich: wer sich erfolgreich an die Spielregeln gehalten hatte, der schuf sich Freiräume. Platz sich selbst zu entfalten, zu verwirklichen und sein eigenes Ding zu machen und im Endeffekt sich von manchen Regeln zu verabschieden, weil er gelernt und bewiesen hatte, dass er sich selbst managen kann ohne anderen im Weg zu stehen oder zur Last zu fallen. Heute ist das gefühlt nicht mehr der Fall. Ganz im Gegenteil.

Wie komme ich darauf? Nun, wie so oft im Leben geben einige kleine Vorfälle irgendwann ein konkretes Bild. Betrachtet man es aus sicherer Entfernung kann man(n) kaum glauben was man all die Jahre übersehen hatte. Ob es nun die überaus verständnisvollen, neuen Nachbarn sind, die leider nicht wussten, dass der Begriff „Renovierung“ manchmal mit Lärm verbunden sein kann. Wenn dies dann auch noch ab und an außerhalb der in der Hausordnung geregelten „Ruhezeiten“, also nicht von 08.00 – 12.00 Uhr und zwischen 15.00 und 18.00 Uhr passiert, ruft das natürlich gleich die Polizei, den Bürgermeister, den Papst, Udo Lindenberg, die Nationalgarde, die CIA und Captian America auf den Plan!

Vielleicht war es auch die Erinnerung an das Prozedere welches mich erwartet hatte, als ich vergeblich versuchte nach bestandener Prüfung meinen LKW-Führerschein auf dem Amt abzuholen. Vielleicht war es die nette Dame vom Amt, die beharrlich darauf bestand, dass sie von mir einen Erste-Hilfe-Nachweis bräuchte. Leider konnte sie auch die Vorlage einer beglaubigten Kopie meiner Urkunde mit dem Titel „Rettungssanitäter“ nicht davon abbringen, mich weiter nach einem solchen Nachweis zu nötigen. Eine Ausnahme würden die Regeln nunmal nicht zulassen. Hier findet dann beispielhaft die Regelung der Regeln Anwendung. Wahnsinn, wie effizient unser Land und unsere Verwaltungen sind, wenn es darum geht sich selbst im Weg zu stehen. Wenn wir gerade beim Amt sind. Der Versuch ein KFZ am gleichen Tag abzumelden und ein neues auf das gleiche Kennzeichen wieder anzumelden wird von ähnlichen Regeln grundlegend regulär geregelt.

All das steht exemplarisch dafür, was bei uns schief läuft. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft. Wir lassen lenken. Wie lassen denken. Wir lassen uns kümmern. Warum sollten wir all das auch selbst tun? Es ist doch so herrlich bequem wenn der Staat für alles und jeden sorgt, regelt und im Endeffekt auch die Verantwortung übernimmt. Bis ins Kleinste wird jedem die eigene Verantwortung abgenommen, denn Verantwortung für etwas übernehmen, dass scheint im Moment so angesagt wie somalische Piraten oder den nordkoreanischen Diktator Kim-Jung Un zum Tee einzuladen. Auf der anderen Seite wird im Arbeitsmarkt genau das immer mehr gefordert. Verantwortung übernehmen, Entscheidungen fällen und dazu stehen. Wir reiben uns dann aber verwundert sie Augen warum sich Langzeitarbeitslose nicht mehr in den Arbeitsmarkt einflechten lassen. Wie denn auch, sind es doch seit teilweise 15 Jahren gewohnt sich um nix zu kümmern, alles geregelt zu bekommen und die einzige Sorge ist das korrekte Einteilen der Hartz 4-Bezüge und das Abschöpfen aller möglichen Zusatzleistungen. Langsam wird es einfach lächerlich. Jeder meint uns sagen zu müssen, was gut für uns ist, was wir tun und lassen sollen, was die Welt gerade jetzt braucht und was nicht. Beispielhaft muss dann jetzt doch eine politische Farbe herhalten: Grün. Die Jungs und Mädchen sind absolute Vorreiter in dieser Disziplin. Sogar die Linkspartei ist da harmloser, oder besser gesagt berechenbarer, denn die will einfach immer nur dein Geld um es sich selbst und allen anderen zu geben, in der Hoffnung dann würde alles besser werden alle nichts mehr haben. Die Grünen hingegen sind die Öko- und Gesellschaftsdiktatoren im harmlosen Gewand. Fleisch ist schlecht! Hört auf Fleisch zu essen, ist eh nicht gut für euch. Benzin ist der Teufel! Hört mal hübsch auf mit Auto fahren. Fahrt lieber Fahrrad. Rauchen ist auch schlecht! Deshalb machen wir jetzt Raucher zu Menschen zweiter Klasse. Motorradfahrer verpesten die Umwelt, gefährden den Verkehr und sind eh alles Raser, verbieten wir am Besten gleich. Schließlich rasen hier eh alle nur. Deshalb auch gleich Tempolimit auf der Autobahn. Und die City-Maut nicht vergessen! Und Tempo 30 in allen Ortschaften...ich könnte ewig so weitermachen mit dem Regulierungsschwachsinn aus dem grünen Wunsch-Topf. Dabei überbieten sich die Bundesregierung und die EU noch gegenseitig mit ihren Regulierungen. Das Gurken wieder krumm sein dürfen ist da noch eine sehr erleichternde Überraschung aus Brüssel, aber wer wusste schon, dass es vorher ein Gesetz gab, dass den Verkauf von krummen Gurken in der EU verboten hat? Vermutlich ebenso viele die wissen was Edmund Stoiber nach seiner Endlagerung in Brüssel als Beauftragter zum Bürokratieabbau in der EU als erstes gemacht hat. Richtig! Ein neues Gesetz erlassen. Aber nur die Ruhe, es hatte nur 148 Unterparagraphen. Der wandelnde Aktenordner Edmund hat also in Europa mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass man einen Deutschen lieber nicht zum Bürokratieabbau einsetzen sollte. 

Dass die Netten, die Rücksichtsvollen und die Ehrliche am Ende die Dummen sind, die Erfahrung habe ich erst in den letzten Monaten wieder ernten dürfen. Wer sich an die Spielregeln und solch altmodischen Krempel wie Werte und Tugenden hält, der könnte möglicherweise gar nicht mitbekommen wie ihm wieder ein Stück Eigenverantwortung oder Freiheit flöten geht. Es scheint aber auch kein Bewusstsein mehr dafür zu geben. Nicht nur das man heute offensichtlich ein Arschloch sein muss, damit es einem nicht schlecht geht um man sich mit dem Gefühl trösten kann keinem Rechenschaft ablegen zu müssen, nein, man bekommt auch noch von allen Richtung vorgebetet was man darf und nicht darf, was gut für einen ist, was man mit seinem hart verdienten Geld anstellen soll und wohin man wegen der CO2-Bilanz nicht mehr in Urlaub fliegen sollte. War ich doch bisher der Illusion erlegen, ich wüsste am Besten was gut für mich ist, womit und an welchem Ort ich meine Freizeit verbringen will und was ich mit dem bisschen Geld mache das mir am Ende des Monats überbleibt. Altersvorsorge zum Bleistift, denn wer heute noch glaubt er bekommt in 30-40 Jahren noch eine staatliche Rente, der hat immer noch nicht begriffen, dass manchmal an Eigenverantwortung kein Weg vorbei führt. Aber ist eben zehnmal bequemer sein Hirn ausgeschaltet zu lassen und andere für sich entscheiden zu lassen. Würde der Hauptrechner nämlich laufen, dann würden viele bemerken, dass selbst denken und Verantwortung übernehmen zwar mehr Rechnerleistung kostet, es aber einem selbst und vielen anderen mehr Freiheiten ermöglichen würde.

bis zum nächsten Mal und närrische Grüße

Euer Bademeister

 

   
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